Unser Flug mit einer Twin Otter DHC6-400

Nach den letzten stürmischen Tagen am Tip of Borneo – und es sollte nicht wirklich besser werden – hatten wir die Befürchtung, dass unser Flug von Kudat nach Sandakan gecanceled werden würde. Jedenfalls war den Tag zuvor auch schon eine Reisegruppe per Transporter in unserer Unterkunft angekommen, deren Flug – wiederum in die andere Richtung – gestrichen wurde. Wohl aufgrund des schlechten Wetters.

Die Strecke wird nämlich mit einer kleinen Maschine geflogen: Mit einer Twin Otter DHC6-400. Das war eigentlich der Hauptgrund, warum wir uns für diesen Flug entschieden hatten. Man hätte auch den Bus nehmen können. 7 Stunden, also nicht zu lang und natürlich günstiger. Der Flug war mit rund 20 Euro aber nicht allzu teuer und würde bei uns in der Reisekalkulation am Liebsten in der Kategorie „Touren & Aktivitäten“ statt „Transport“ landen.

Denn das war es: Ein cooles Erlebnis. Das fing schon mit dem Flughafen Gebäude an.

Sicherheitskontrolle und Check-In

Das Flughafengebäude war nicht wirklich als eines erkennbar. Wo war eigentlich der Tower, gab es überhaupt einen?

Dann kam die Sicherheitskontrolle. Ein weiblicher und ein männlicher Mitarbeiter der Flugsicherheit warteten darauf uns abzutasten. Metalldetektoren? Weit gefehlt. Gepäckscanner? Keine Spur. Unser komplettes Gepäck wurde von den beiden händisch durchsucht und dabei auch in das kleinste Fach geguckt. Und die beiden waren kritischer, als man es gewohnt ist. Bei unseren Taschenmessern schauten beide schon sehr skeptisch. Warum auch immer. Machten die Messerchen doch sonst im aufgegebenen Gepäck keinerlei Probleme. Wären die uns abgenommen worden, hätten wir ein paar Tage traurig dreingeblickt. Nicht nur, weil die mega praktisch sind auf einer Reise und wir sie ständig brauchen. Ich habe meines, eine hübsche Sonderedition, von meiner lieben Freundin Sonja geschenkt bekommen, als wir zusammen in Costa Rica meinen Geburtstag verbrachten. Christoph wiederum hat seines als Kind von seinem Opa erhalten. Die beiden Kontrolleure haben zum Glück ein Auge zugedrückt.

Dafür haben sie uns das Nobite Spray (Moskito Repellent) für Kleidung abgenommen. Ach nööö! Ich war letzte Nacht soooo dermaßen zerstochen worden. Trotz Moskitonetz, es musste wohl ein paar Löcher gehabt haben. Ohne Spaß, am linken Fuß hatte ich 7 Stiche! Auf meiner rechten Seite bis rauf zum Arm 20! Ungelogen. Und warum? Weil wir in letzter Zeit in Geschäften nur natürliche Insektenschutzmittel gefunden hatten. Ich bin ja sonst ein Fan von natürlichen Produkten. Aber wenn es um Moskitos geht und damit nicht nur um schlafraubendes Jucken, sondern auch mögliche Infektionskrankheiten, da kenne ich keinen Kompromiss. Da muss DEET oder anderes gutes Zeug her. Wir hatten zwei verschiedene natürliche Sprays gekauft und uns vor dem Schlafen regelrecht damit eingeölt. Hat nichts gebracht. Vielleicht haben wir auch einfach noch nicht das richtige natürliche Spray gefunden, da gibt es ja verschiedenste Zusammensetzungen. Für Empfehlungen sind wir offen. 🙂

Na jedenfalls hatten wir noch eine Sprühdose Nobite für Klamotten (daheim gekauft) übrig. Verbraucht sich nicht so schnell, weil es auf den Klamotten recht lang hält. Und jetzt hatten sie es uns abgenommen. Heul. Weil auf ihm das „entzündlich“ Warnsymbol stand. Der Mitarbeiter hat es noch mit einer anderen Kollegin abgeklärt, keine Diskussion, weg damit. Gerade jetzt, wo wir als nächstes wieder eine wahrscheinlich ziemlich moskitoreiche Tour unternehmen würden. Billig ist das Zeug übrigens auch nicht.

Aber gut. Verzweiflung wegschieben und Sicherheitskontrolle passieren. Jetzt hieß es einchecken. So muss es sich noch vor Jahren, bevor die Technik Überhand nahm, angefühlt haben. Während bei den großen Fliegern das Gewicht immer geschätzt wird, wurde hier alles gewogen. Erst unser aufgegebenes Gepäck, das kennt man ja. Wir hatten leider Übergepäck, hatten wir beim Ticket übersehen, dass 10 kg das Maximum waren. Aber mit 1 MYR (ca. 20 Cent) pro Über-Kilogramm war die Gebühr dann nicht sehr hoch.

Ja und dann musste sich jeder Passagier zusammen mit seinem Handgepäck wiegen. Also nichts für Leute, die gerne ihr Gewicht verheimlichen. Alles wurde dokumentiert. Handschriftlich, auf einem Schmierpapier. Fertig. Nun konnten wir im besonders großen Sicherheitskontroll-/Eincheck-/Aufenthaltsraum warten.

Eben noch windstill, zogen schon wieder dunkle Wolken auf und es wurde ordentlich windig. Hm nicht gut. Die Maschine kam aber, flog eine Kurve und landete etwas holprig auf der Piste. Die Besatzung, bestehend aus zwei Piloten, sowie ein paar Transit-Passagiere, stiegen aus.

Jetzt gönnten sich die beiden Piloten erstmal eine kleine Raucherpause, während der Mitarbeiter, der uns vorhin eingecheckt hatte, das Gepäck zur Maschine brachte. Allround-Job halt. Die Arbeit hier ist sicher weniger eintönig, als an einem großen Flughafen. Hat er nachher auch den Lotsen gemacht?

Jetzt mussten sich nur noch die Piloten nochmals wiegen (warum eigentlich die Transit-Passagiere dann nicht auch nochmal?) und es konnte losgehen.

Flugerlebis Twin Otter

Die kleine Twin Otter erinnerte von der Art der Innenausstattung mehr an Bilder, die man von Militär- denn von Passagierflugzeugen kennt. Sie bot Platz für 23 Passagiere, es gab keine Toilette und wie erwähnt eben keine Flugbegleiter.

Hier übernahm der Co-Pilot die Ansagen, die man von den großen Flügen kennt. Gleich geht’s los, Anschnallen und blablabla. Aber Sicherheitsunterweisung gab es keine. Es ging dann einfach los. Und dabei blieb die Tür zum Cockpit ständig offen, denn es gab keine Tür. Hier waren die Piloten den Passagieren ganz nah und man konnte jede Aktion mitverfolgen und wie ein Kind fasziniert all die Knöpfe, Hebel und Anzeigen bewundern.

Und ganz schnell waren wir auch schon in der Luft. Einer der weiteren Gründe für unsere „Erlebnisbuchung“: Die Maschine flog nicht allzu hoch. Das heißt den Ausblick, der einem sonst nur bei Start und Landung vorbehalten bleibt, konnten wir die ganzen 50 Minuten genießen. Mäandrierende Flüsse, die sich durch Dschungel schlängelten, Palmölplantagen und andere Anbaugebiete, Dörfer, Küsten, Meer und Schiffe. Zwar alles wegen des schlechten Wetters grau verschleiert, nichtsdestotrotz wunderschön.

Druckausgleich gab es in dieser Maschine keinen und besonders gut lautstärkeisoliert war sie auch nicht. Die Piloten hatten immerhin ihre Kopfhörer. Ich musste meine in-ears dann auch irgendwann missbrauchen, mir wurde es zu laut. Daher vermisste auch keiner die sonst übliche „Meldung des Piloten aus dem Cockpit“. Hätte man eh nicht verstanden und sowieso sah man doch alles was sie da machten. Ganz besonders interessant waren die zwei schon fertig aufgespannten Kotztüten neben den Piloten.

Keine Getränke, kein Service an Board und Daueranschnallen war angesagt. Immerhin reagierte die Maschine anders auf Turbulenzen und nicht nur ein Mal hielten mich diese von einem guten Foto ab, als die Maschine ruckelte. Es fühlte sich in diesem kleinen Hüpfer aber nicht so unangenehm an wie sonst.

Die Zeit verging jedenfalls im wahrsten Sinne des Wortes wie im Flug und kaum gestartet, waren wir auch schon gelandet. Kann man sich in den neuen großen Maschinen ein „Bild aus dem Cockpit“ anzeigen lassen, so brauchten wir nur ein wenig aufrechter zu sitzen, um das Rollfeld vor uns zu sehen. Angekommen in Sandakan.

Liebe Grüße Anna & Chris!

Vorheriger Beitrag
Stürmische Tage am Tip of Borneo
Nächster Beitrag
Sepilok: Orang-Utans und die kleinsten Bären der Welt

Ähnliche Beiträge

2
Hinterlasse einen Kommentar

  Abonnieren  
Neuste Älteste Beste Bewertung
Benachrichtige mich zu:

super geschichte – dem piloten würde ich auch gerne mal zusehen…

Baba Jaga

COOL! SO COOL!

Menü