Stürmische Tage am Tip of Borneo

Lust auf Tage am Meer

Nach nur einem Tag in Kota Kinabalu, und einem Tagesausflug zu den vorgelagerten Inseln des Tunku Abdul Rahman Nationalparks, zogen wir weiter.

Denn wir hatten Lust ein paar schöne Tage am, hoffentich nicht mit Touristen überfüllten, Meer zu verbringen. Dazu hatten wir uns für die Gegend um den Tip of Borneo entschieden.

Der Tip of Borneo, das ist der äußerste nordöstliche Zipfel der Insel Borneo. Dort wo das Südchinesische Meer auf die Sulusee trifft.

Also nahmen wir am Morgen den Bus und erreichten nach 4 Stunden Fahrt, ständig an Palmöl-Plantagen entlang, unser Ziel: ein Café in der Stadt Kudat.

Busfahren in Süd-Ost-Asien ist so viel besser als bei uns. Der Fahrer setzt dich auf der Route dort ab, wo du möchtest, nicht nur an offiziellen Haltestellen. Viel flexibler für die Menschen am Land. So können die Leute überall auf der Route zu- und aussteigen. Wir stiegen daher direkt bei dem Café aus, wo wir auf einen Mitarbeiter unserer Unterkunft warten würden, keinen Meter weiter.

Der Mitarbeiter kam auch schon recht bald, musste aber noch Einkäufe erledigen. Störte uns nicht, wir aßen sowieso gerade ein leckeres Mittagessen und hatten ihn später erwartet. Um 14 Uhr ging es dann gemeinsam los (Bus gab es keinen zum Tip of Borneo).

Nicht sehr viele Leute verirren sich an den Tip of Borneo, hatten wir gelesen. So war es auch. Es gab ein paar wenige Unterkünfte, aber absolut nicht genug, um Massen unterzubringen. 5 Restaurants in größerem Abstand voneinander stillten den Hunger. Davon waren zu unserer Zeit nur 4 geöffnet.

Schöne Nächte im ÖKO-Camp

Mit dem Tampat do Aman* hatten wir uns eine sehr einfache Unterkunft im Stil eines „Camps“ ausgesucht.

Es gibt beim Tampat do Aman zwar auch gemütliche Chalets mit eigenem Bad, aber die Camp-Variante war nicht nur günstiger, sondern auch abenteuerlicher.

Wir schliefen in einem Langhaus. Das Gemeinschaftsbad und die Toiletten erreichte man über die Plankenwege des Camps.

Den Pflanzen Nahrung schenken

Bei den Toiletten handelte es sich allerdings um Öko-Plumpsklos (Komposttoiletten). Nach jedem Toilettengang, mussten Sägespäne hineingeworfen werden. Dadurch roch es überhaupt nicht!

Wenn du also jetzt an Festival-Atmosphäre gedacht hast, weit gefehlt.

Zusätzlich entstand guter Dünger, der vom Besitzer genutzt wurde. Wir trugen also unseren Teil zum Gedeihen der leckeren Früchte in der Umgebung bei. 😉

Die Umwelt und die Einheimischen im Blick

Für diese Verhältnisse war die Unterkunft eigentlich nicht günstig. Aber es war ein Erlebnis!

Und da wir wussten, dass hier viel Wert auf die Umwelt gelegt wurde und der nette Besitzer Howard mit den Einnahmen zahlreiche Projekte in der Umgebung umsetzte, die den Einheimischen zugutekommen, war uns nicht nach Verhandeln zumute. Da zahlten wir gerne etwas mehr.

Wer hat denn die Sauerei da gemacht?

Auf dem Holzboden im Langhaus entdeckten wir jeden Morgen an derselben Stelle die Überreste von Früchten. Auch wenn diese mittags weggeräumt wurden, waren am nächsten Morgen neue Überbleibsel da.

Wir fragten uns, welches Tierchen hier so einen Dreck machte.

Eines Abends spazierten wir wieder an dieser Stelle vorbei, hörten es knuspern und leuchteten zur Decke. Das Tierchen, bei der Tat ertappt, erschreckte sich kurz, so dass es seine Früchte (klein und apfelähnlich) vor Schreck fallen ließ.

Wir erschreckten uns ebenfalls kurz, bis wir erkannten, dass es eine süße kleine Fledermaus war. Niedlich! Die hing hier tatsächlich jeden Abend ab und hinterließ ihren Dreck:

Abhängen im Strand Restaurant

Da die Unterkunft nicht direkt am Strand lag, gab es mehrmals täglich einen Shuttle-Service (im oder auf dem Pick-Up) zum eigenen Restaurant am Strand.

Da konnte man dann den ganzen Tag abhängen.

Was wir auch die nächsten Tage taten, da uns das Wetter dazu zwang.

Am ersten Tag war das Wetter zwar windig, aber prima. Das Meer funkelte türkis und wir spazierten zum Tip of Borneo. Meine Kamera hatte ich leider in der Unterkunft vergessen. Ich dachte die Fotos knipse ich dann die nächsten Tage.

Für den nächsten Tag hatten wir nämlich angedacht, mit dem Roller die Gegend zu erkunden und auch nochmal zum Tip of Borneo zu fahren, weil es dort so schön war. Daraus ist leider nichts geworden, jetzt haben wir nur Handyfotos.

Die Magie der äußersten Punkte

Wir wissen nicht, was es ist, das die äußersten Punkte eines Kontinentes oder einer großen Insel ausmacht, aber auf uns wirken diese Orte immer magisch. So war es auch am Tip of Borneo.

Der Wind brauste an uns vorbei, als wir das Gefühl, am Ende der Welt zu stehen, genossen.

Ging man zusätzlich noch die letzten paar Schritte hinunter Richtung der nördlichsten Felsen Borneos, so packte einen der Wind nochmal um einiges kräftiger. Wie eine riesige Hand, die dich in die Sulusee reißen will, während du auf den wunderbaren Strand und das Südchinesische Meer zu deiner Linken blickst und den Kontrast der braunen Felsen zum türkisen Meer genießt.

In den Ausläufern des Taifuns

Aus unserer Roller-Erkundungs-Mission wurde jedoch, wie gesagt, nichts. Weder am nächsten, noch am übernächsten Tag. Der Wind, der uns am Tip of Borneo ins Meer schmeißen wollte, hätte es an den folgenden Tagen wahrscheinlich wirklich geschafft. Denn er artete in einen Sturm aus. Laut Wetter-Info steuerte gerade ein Taifun auf Taiwan zu und wir befanden uns anscheinend in den Ausläufern davon.

Im Vergleich zu einem Taifun, ging es hier wohl eher gemütlich zu. Aber nur im Vergleich.

Denn wir saßen im Strandrestaurant, es regnete sowieso schon den ganzen Tag ziemlich heftig, als wir es knacken hörten und der erste Baum wegbrach.

So als würde es den Wind gar keine Kraft kosten ihn umzureißen. Ganz easy sah es aus. Als ob der Baum nicht aus Holz, sondern Knete wäre. Nach einigen Minuten folgte der nächste Baum und etwas später wieder einer.

Kein Wunder, fiel dann zu allem Übel auch noch der Strom aus. Denn auch die Stromleitungen blieben nicht verschont. An mehreren Stellen wurden sie von Bäumen oder schweren Ästen erwischt.

Ein bisschen Bedenken hatten wir schon, wenn wir um die Ecke aufs Klo mussten. Denn die klappernden Wellblechteile des Restaurants, in dem wir saßen, machten nicht gerade einen vertrauenserweckenden Eindruck.

Wir wollten lieber nicht, dass sie uns entgegen geflogen kamen. Aber sie hielten. Ich glaube es ist somit verständlich, warum wir weder zu Fuß, noch mit dem Roller, irgendwas erkundeten.

Tip of Borneo Spaziergänge

Erst an unserem letzten Tag wurde es ein wenig windstiller und für wenige Stunden regnete es auch nicht.

Zusammen mit Anna und Sonja aus München spazierten wir zu einem anderen Restaurant etwas weiter weg. Dass es jedoch geschlossen war, stellten wir erst fest, als wir schon dort waren.

Aber wir waren ja auch wegen des anderen Strandes gekommen und um uns ein wenig zu bewegen.

Alles war grau und rauh und es nieselte ab und zu, jedoch war es trotzdem schön.

Während der Strand vor dem Tampat do Aman* regelmäßig von den Mitarbeitern und auch von freiwilligen Gästen gereinigt wurde, so sah man an den anderen Stränden, wie so häufig in Asien, die Ausmaße der nicht aufgeklärten Zivilisation: Angeschwemmter Plastikmüll überall wo man hinschaut.

Wir würden trotzdem jedem die Strände am nördlichsten Teil Borneos empfehlen. Sie versprechen abgeschiedene Spaziergänge und das Gefühl am Ende der Welt zu sein. Überdies sind sie sehr schön, gesäumt von Palmen oder Felsen und nicht von Resorts.

Wenn das Wetter mitmacht, kann man wohl auch gut schnorcheln, zu einer Insel rüberspazieren und in Mangroven Boot fahren. Bis zu unserer geplanten Abreise, wurde es leider nicht sonniger, wir verließen das Kap daher mit einer Erinnerung an ein wildes Ende von Borneo.

Liebe Grüße Anna & Chris!

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Benachrichtige mich zu:

Wir befinden uns in einer der schönsten Städte der Welt. Langsam schlendern wir durch die Straßen.

Ah – von weitem sieht man es schon.

Einmal noch die Straße queren. Wir lachten uns voll Vorfreude an. Obwohl ein reges Treiben herrschte, erhielten wir durch “Vitamin B”, also sehr gute Beziehungen, sofort einen Tisch. Ein wohlbekannter und immer gern genossener Geruch umspielt unsere Nasen, das uns das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt.

Anna, wo samma? 🙂

Das Flair dieser wundervollen Stadt wartet schon auf euch. Und wir auch 🙂

Stuttgart? 😂 😏

Gabriela Dennstedt

Schon wieder schöne Sprachbilder, die den Wind und die Natur spüren lassen!

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